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Diese Freundin... Quatsch, dieses Grundstück liegt im Herzen einer aufstrebenden Siedlung namens Nellyhausen... Nein, Unsinn, ich meine Entenhausen! - [...] Du willst, dass wir in dieses Nellyhausen umziehen? - Ja... Nein... Entenhausen, zum Kuckuck noch mal!
- zitiert aus Don Rosas "Der Milliardär im Hochmoor"

E-Mail-Interview mit Don Rosa

Im März 2010 haben wir ein E-Mail-Interview mit Don geführt:


1. Freut man sich nach so vielen Jahren noch, wenn alte Werke wieder veröffentlicht werden, vielleicht mit neuen Farben? Oder verfolgen Sie Nachdrucke nicht mehr?
Ich bin mir nicht sicher, wie ich das beantworten soll. Natürlich freut es mich, dass die Leute anscheinend immer noch gern meine Comics lesen. Doch ich weiß nie, wann ein Verlag eine meine Geschichten wieder (oder zum ersten Mal) veröffentlicht. Sie kontaktieren mich nicht, fragen nicht um meinen Rat, zahlen mir keine Tantiemen und schicken mir keine Belegexemplare. Das ist einer der Gründe, warum ich aufgehört habe.

2. Worauf spielt die Buttermaschinen-Szene aus "Der erste Erfolg" an? ("He tried to invent a new way for Grandma Duck to churn butter" - "Hm... I can imagine") Auf eine Geschichte von Barks?
Ja, das spielt auf Barks' erste Verwendung von Düsentrieb an, als man ihn mit einem Rucksack auf einem Pogostick herumhüpfen sah. Da wurde gezeigt, dass er eine Flasche Milch bei sich hatte, die er zu Butter schütteln wollte.

3. Haben sie einen Lieblingscomic unter ihren eigenen Werken? Wenn ja, welchen?
Falls "Sein Leben, seine Milliarden" EINE Geschichte ist, dann ist dies mein Favorit. Doch es handelt sich natürlich um eine Vielzahl einzelner Geschichten. Ich weiß nicht, welche meiner Storys ich am liebsten mag ... verschiedene sind auf verschiedene Art besser oder schlechter. Diejenigen meiner eigenen Geschichten, mit denen ich immer am zufriedensten bin, scheinen allerdings immer Nelly zu beinhalten.

4. Warum ist Diethelm auf den Familienfotos aus Dagoberts Jugend zu sehen (z.B. diesem hier)?
Weil ich ein vollständiges Familien-Gruppenporträt brauchte und ich auf ihm den zehnjährigen Dagobert mit seinem Schuhputzkasten zeigen wollte. Aber... wer sagt, dass es sich um ein Foto handelt? Vielleicht ist es ja ein Gemälde und der Künstler fügte Diethelm hinzu, obwohl er weit fort in Amerika war.

5. Findet die Geschichte "Gyro's First Invention" (Der erste Erfolg) vor "Gladstone's Terrible Secret" (Eine peinliche Enthüllung) statt?
Hm... die Frage zeigt, dass ihr wisst, dass diese Geschichte den ersten Auftritt von Düsentrieb enthält? Wieso dann die Frage Nr. 2 weiter oben? (Ich schätze, diese beiden Fragen kamen von zwei unterschiedlichen Personen?) Ich nehme an, dass "Eine peinliche Enthüllung" ziemlich direkt vor "Der erste Erfolg" spielt. Donald scheint zu wissen, wer Düsentrieb ist, doch er hat ihn vielleicht noch nicht persönlich kennengelernt.

6. Warum gehen der Strom und das Wasser im Geldspeicher in der Duckland-Story aus, wenn die Stadt Dagobert selbiges zudreht? Der Geldspeicher hat doch seinen eigenen Strom und sein eigenes Wasser (vgl. "Gauner gegen Geldspeicher").
Die Gründe sind:
a) Ich wollte, dass Dagobert in "Seine Majestät Dagobert I." Strom und Wasser abgedreht werden.
b) Ich schrieb "Gauner gegen Geldspeicher" rund 20 Jahre später und hatte natürlich eine neue Idee, die mit der alten in Konflikt kam. Vielleicht wusste der Fragesteller nicht von der langen Zeitspanne zwischen den zwei Geschichten? Natürlich kann ich nicht jede Idee, die mir jemals kommen wird, zur gleichen Zeit im Kopf haben - wenn mir später irgendwann mal eine neue und bessere Idee kommt, verwende ich diese und gestehe den Lesern, dass ich einfach eine neue und bessere Idee hatte. Kein Problem.
c) 1) Doch ich kann mir immer eine Erklärung ausdenken, wenn ich will, genau wie bei Frage 4. Die Generatoren im Speicher sind für Notversorgung und brauchen Benzin zum Betrieb. In "Seine Majestät Dagobert I" hatte Dagobert vielleicht keinen Treibstoff zur Hand und es gab somit keine Möglichkeit, die Generatoren zu betreiben. Und ohne Elektrizität konnte das Wasser nicht aus dem tiefen, tiefen Brunnen gepumpt werden - bedenkt, dass der Brunnen sich im Speicher auf der Spitze eines großen Hügels befindet, also ist das Wasser WEIT unten.
2) Oder ... als gesagt wurde, dass die Stadt Dagoberts Strom und Wasser abgeschnitten hat, bezog sich das auf seine Bürogebäude und Geschäfte, NICHT auf seinen Speicher.

7. Wie geht es Ihren Augen mittlerweile?
Um dies zu beantworten, kopiere ich eine Nachricht, die ich jemand anderem zu diesem Thema schrieb und die ich gespeichert habe, um sie an Leute mit der gleichen Frage zu schicken:

"Nach der ursprünglichen Abgelöste-Netzhaut-Operation und einer weiteren (typischen) Operation zur Entfernung von grauem Star und zwecks Linsenersatz sowie einer nicht so typischen zusätzlichen Operation, um ein Loch in die Linse zu pieken, das den verschleierten Blick klären sollte, sehe ich nun Folgendes durch mein linkes Auge: Aufgrund von falscher Wiederbefestigung der Netzhaut ist das Bild um etwa zehn Grad gedreht. Aufgrund von Vernarbung der Netzhaut ist das Bild verzogen ... als ob man durch eine fehlerhafte Scheibe schaut, gerade Linien sind gewölbt und so was. Wegen der Grauer-Star-Operation, verwende ich nun ein schwächeres Brillenglas, da man mir eine bessere Linse in mein Auge eingesetzt hat, was bedeutet, dass das Bild fast volle Größe hat; Wie ihr vielleicht wisst, ist mein anderes Brillenglas SEHR dick, weshalb das rechte Bild im vergleich zu dem, was ich links sehe, ziemlich klein ist. Das Bild meines linken Auges ist also riesig, gedreht und verzerrt. Es kann niemals dem des rechten Auges entsprechen. Ich habe also Doppelsicht. Ich sehe alles zweifach. Aber ja, es ist erstaunlich, an was sich das Gehirn alles gewöhnt. Ich ignoriere mehr oder weniger immer jeweils eins der beiden Bilder. Wenn ich lese, den PC benutze oder auch sonst die meiste Zeit über benutze ich beide Augen, aber beachte das schlechte linke Bild nicht wirklich. Doch es fühlt sich deutlich besser an, als nur ein Auge zu haben ... das Gehirn lässt mich irgendwie denken, dass ich mit beiden Augen richtig sehe, obwohl das nicht der Fall ist ... nur manchmal, z.B. wenn ich durch Geschäfte gehe und viele unterschiedliche Dinge in sehr kurzer und weiter Distanz sehe oder wenn ich durch den Wald oder das Haus laufe und mit vielen unterschiedlichen Arten von Bildern und Distanzen konfrontiert bin - dann bin ich mir sehr bewusst, dass ich alles doppelt sehe und das ist nicht schön. Doch wenn ich vor einem Fernseher mit unveränderlicher Bildschirmgröße sitze und ein 2D-Bild sehe, zwingt mein Gehirn langsam die beiden unterschiedlichen Bilder ziemlich gut zusammen und es ist nicht allzu schlimm.

Ich könnte einen Teil des Problems korrigieren, indem ich mir das "gute" (ha!) rechte Auge auch auf grauen Star hin operieren ließe, dann wäre die Linse dünner und dieses Bild auch größer. Doch ich würde dann die SEHR WICHTIGE Fähigkeit verlieren, mit dem Auge extrem nah zu sehen. Trotz meiner schlechten Augen hatte ich immer eine ausgezeichnete Nahsicht, wenn ich meine dicken Brillengläser absetze und etwas von sehr naher Distanz betrachtete. Tatsächlich musste ich während meiner vier oder fünf letzten Arbeitsjahre beim Zeichnen meine Brille absetzen und meine Nase nahezu aus Papier drücken, um etwas zu sehen. Jetzt hat mein beschädigtes linkes Auge diese Fähigkeit verloren. Doch mein rechtes hat sie immer noch und ich benutze sie dauern, wenn ich klein gedruckte Sachen lese oder bei sonstigen nahen Untersuchungen. Wenn ich diese Fähigkeit auch mit meinem rechten Auge verlieren würde, wäre das sehr schlecht. Die Ärztin warnt mich außerdem, dass meine Netzhaut in meinem rechten Auge in sehr schlechtem Zustand ist (sogar in schlechterem als im linken Auge, und sie sagt, dass es sie erstaunt, dass sich die linke zuerst verabschiedet hat) und eine Operation würde das Risiko mit sich bringen, dass sich die Netzhaut ablöst und ich erblinde. Also muss ich alles so lassen, wie es ist. Ich kann nach wie vor begrenzte große Zeichnungen anfertigen, wenn ich meine Brille absetze, mein linkes Auge bedecke und mit meiner Nase fast das Papier berühre. Doch es ist natürlich langsam, öde und alles andere als angenehm."

8. Als was arbeiten Sie zurzeit? Wie verdienen Sie Ihr Geld, wenn Sie nicht gerade Signiertouren machen oder alte Originalzeichnungen verkaufen?
Die jährlichen Signiertouren durch abwechselnd Deutschland und Finnland und ein bescheidener Betrag, den mir Egmont jedes Jahr für das Bewerben ihrer Comics und Bücher mit meinem Namen zahlt, sind mein gesamtes Einkommen. Ich verkaufe nur selten alte Originalzeichnungen - das ist die einzige Pension, die ich habe, daher muss ich das, was noch übrig ist, aufheben, um es in einigen Jahren verkaufen zu können, wenn ich vielleicht WIRKLICH Geld brauche. Also ... Ich tu im Moment nichts, um Geld zu verdienen. Doch meine Geschichten werden den Disney-Verlegern weltweit weiterhin reichlich Geld einbringen und sie werden niemals einen Cent davon mit mir teilen. Und das ist ein weiterer Grund, warum ich aufgehört habe.

Vielen Dank an Don Rosa für die Beantwortung unserer Fragen und an Jano Rohleder für die Übersetzung!

Die englische Originalversion des Interviews ist hier zu finden.